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Auf dem Bundesparteitag der SPÖ vom 30. Jänner bis zum 1. Februar 1967 wird Bruno Kreisky zum Parteivorsitzenden gewählt und löst somit Bruno Pittermann an der Spitze der Sozialdemokratie ab.
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1970 bis 1971 – Die Zeit der Minderheitsregierung
Am 1. März 1970 erreicht die SPÖ unter dem Bundesparteivorsitzenden Kreisky überraschend die relative Mehrheit. Bruno Kreisky wird Bundeskanzler und bildet eine Minderheitsregierung unter Duldung der FPÖ. Im ersten Jahr seiner Regierungszeit verwirklicht Bruno Kreisky zahlreiche Reformen, die noch heute als Meilensteine der Politik gelten.
• Die Schülerfreifahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Erstmals dürfen Schüler öffentliche Verkehrsmittel gratis für ihren Schulweg nutzen.
• Die Herabsetzung der Volljährigkeit von 21 auf 19 Jahre
• Die Abschaffung der Aufnahmeprüfung für die AHS
• Die Kürzung des Präsenzdienstes von neun auf sechs Monate Grundwehrdienst und 60 Tage Waffenübungen
• Die Abschaffung der Hochschultaxen
• Die Einführung eines "Startgeldes" für Ehepaare
In den 1970ern schlägt die große Stunde der Sozialdemokratie. Bei den Bundespräsidentschaftswahlen 1971 gewinnt der Sozialdemokrat Franz Jonas klar vor Kurt Waldheim. Am 10. Oktober desselben Jahres erringt die SPÖ unter Kreisky bei den Nationalratswahlen erstmals die absolute Mehrheit.
Wahlplakat der SPÖ aus dem Jahr 1971
Nach diesem Sieg für die Sozialdemokraten setzt Bruno Kreisky seine Reformarbeit zügig fort. Beim Parteitag im April 1971 setzen die SPÖ-Frauen die Einführung der Fristenlösung durch und im selben Jahr werden auch gleichgeschlechtliche Beziehungen legalisiert. 1971 wird die Schülerfreifahrt eingeführt, ab dem Schuljahr 1972/73 bekommen alle Schülerinnen und Schüler gratis Schulbücher. 1973 wird die Mehrwertsteuer eingeführt, 1974 das reformierte Strafrecht. Weiters erfolgt 1974 eine ORF-Reform.
Im Jahre 1974 kommt es auch zu einer Reform im Schulunterrichts- und Arbeitsverfassungsgesetz und der Zivildienst wird als Alternative zum Präsenzdienst eingeführt. All diese Reformen sorgen für eine weitere Demokratisierung der Gesellschaft, liberalisieren das gesellschaftliche Klima und bringen der SPÖ noch größeren Zuspruch von Seiten der Bevölkerung. Bei den Nationalratswahlen am 4. Oktober 1975 können die Sozialdemokraten einen noch deutlicheren Sieg erringen.
Ab Mitte der 1970er liegt der Schwerpunkt der sozialistischen Regierungspolitik im wirtschaftlichen Bereich. Dennoch fallen viele soziale Meilensteine in diese Regierungszeit. So wird 1977 der Mindesturlaub eingeführt und ein Milizheer aufgebaut. Ab 1978 gibt es das Kindschaftsrecht und ein neues Ehegesetz tritt im Rahmen der Familienrechtsreform in Kraft. Ab 1979 sorgen die Arbeiterabfertigung und das neue Gleichberechtigungsgesetz für mehr Rechte und soziale Reformen für Arbeitnehmer.
Nach Ende der Hochkonjunktur im Jahre 1974 und der im Gefolge des Ölpreisschocks immer stärker werdenden internationalen Wirtschaftskrise versucht die SPÖ die Folgen für Österreich möglichst gering zu halten. Die Rechnung geht auf. Zwischen 1975 und 1981 bleibt die Vollbeschäftigung erhalten und die Arbeitslosenrate steigt im Vergleich zu den anderen europäischen OECD-Ländern nur minimal. Dies gelingt hauptsächlich durch ein breites Programm staatlicher Infrastrukturinvestitionen sowie den gezielten Einsatz des großen verstaatlichten Sektors, der mit hohen Kosten seinen Beschäftigungsstand hält.
Plakat zu den Nationalratswahlen 1979
In den Siebzigern ist "Atomenergie" das Schlagwort der Zeit und es entsteht ein regelrechter "Bauboom" von Atomkraftwerken in Europa. Noch zu Zeiten der ÖVP-Regierung wird der Bau des einzigen österreichischen Atomkraftwerks "Zwentendorf" beschlossen und auch die SPÖ-Führung spricht sich für eine Inbetriebnahme des Reaktors aus. Nach zahlreichen Expertendiskussionen wird eine Volksabstimmung beschlossen, die schließlich mit einem knappen "Nein" zu Zwentendorf ausgeht. Zwentendorf wird nicht in Betrieb genommen, im Dezember 1978 wird das Atomsperrgesetz beschlossen.
1978 wird ein neues SPÖ-Parteiprogramm beschlossen. Kreisky lässt ein pluralistisch zusammengesetztes Expertenteam einen breit gefächerten Katalog mit Fragen über die Gesellschaftsentwicklung ausarbeiten. Dieser wird dann in der Partei beraten und schließlich beschlossen. Das neue Parteiprogramm verbindet Grundwerte wie Gleichheit, Freiheit, Solidarität mit Zielen wie einer klassenlosen Gesellschaft. Es bleibt skeptisch gegenüber einem bürokratischen Staatsapparat, bekennt sich zur Fortsetzung des "österreichischen Weges" wie Sicherung der Vollbeschäftigung, Ausbau von Sozialrechten für Arbeitnehmer. Ebenso wird ein weiterer Schwerpunkt auf die Fortführung der Demokratisierung von Staat und Gesellschaft gelegt.
Bei den Nationalratswahlen 1979 erreicht die SPÖ mit 51,03% der Stimmen das beste Ergebnis in der Parteigeschichte. Nun steht die SPÖ und Kreiskys "österreichischer Weg" am Höhepunkt ihres Einflusses. In den 1980ern macht der SPÖ neben internen Spannungen auch die internationale Entwicklung zu schaffen.
Der politische Trend im Ausland wendet sich immer mehr dem Neo-Konservatismus zu. Während in der BRD die sozialliberale Ära mit der Amtszeit von Helmut Schmidt zu Ende geht, beginnt auch in den USA und in Großbritannien die Zeit der neokonservativen Politiker. Bei den Wahlen am 24. April 1983 bleibt die SPÖ zwar noch stimmenstärkste Partei, verliert aber deutlich an Prozenten und ist mit 47,6% gezwungen, eine Koalition einzugehen. Kreisky macht seine Rücktrittsankündigung wahr und übergibt den Parteivorsitz an Fred Sinowatz.
Wahlplakat der SPÖ
Der neue Bundeskanzler Sinowatz bildet am 24. Mai 1983 eine Koalitionsregierung mit der FPÖ. Die Ära Kreisky geht zu Ende, aber viele seiner Reformen sind in der Gegenwart sozialdemokratischer Politik nach wie vor aktuell. Unter Bundeskanzler Bruno Kreisky wird Österreich zu einem modernen Industrie-, aber auch Sozialstaat. Durch sein Gespür für die Probleme der Bevölkerung und neue gesellschaftliche Strömungen erkennt er die Wichtigkeit der Umsetzung der Frauenrechte, die Bedeutung von KünstlerInnen und Intellektuellen und die Notwendigkeit von Medien und Umweltschutz. In der Ära Kreisky wird Österreich demokratischer, liberaler und weltoffener.
Bruno Kreisky auf einem Wahlplakat